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Thema Vereinschronik des MGV “Deutsches Lied” 1909 Hördt e.V.

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Chor im November 2008

Der Rückblick auf die 90-jährige Vereinsgeschichte ist gleichzeitig ein Stück Kulturgeschichte unseres Heimatdorfes Hördt und spiegelt darüber hinaus die ganzen Umwälzungen und Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts wieder.

Im Gründungsjahr 1909 bestand schon ein weltlicher Gesangverein im Ort. Die Gründung selbst war eine Rebellion gegen die Etablierten, gegen die verkrusteten Strukturen des damaligen Vereinslebens und auch der politischen Gegebenheiten unseres Dorfes. So war auch die Gründung des Vereins ganz anders als sie gewöhnlich von statten geht. Es trafen sich die “Rebellen” im Gasthaus “Zum Pflug” und sangen einfach. Mit der Zeit nahmen diese Treffen feste Formen an. Ein Name wurde gefunden – “Sing’ mer mol” – der auch für die Vereinigung treffend war. Die Bildung eines Vereins wurde rasch in die Wege geleitet und bald konnte der erste Vorsitzende des Vereins – Ludwig Baumann – seine Vorstandskollegen – 2. Vorsitzender war Ludwig Becht, Schriftführer Matthias Fischer, Kassierer Bernhard Huber und Dirigent Karl Marz begrüßen. Ludwig Baumann, der Besitzer der Ölmühle war lange Jahre Vorsitzender des Vereins. Unter seiner Leitung entwuchs der Verein seinen Kinderschuhen. Gleichzeitig wurde der Name in MGV “Deutsches Lied” Hördt geändert. Ein Name, der die patriotische Gesinnung der damaligen ausdrücken sollte. Eine Besonderheit unseres Vereins – die Sterbekasse – besteht bereits seit dem Jahr 1911.

Zunächst wurde nur in losem Verband gesungen, bis Franz Becht, ein Musiker aus Leidenschaft, den klassischen, vierstimmigen Chorgesang einführte. Den Grundstock des Chors bildeten erfahrene Sänger, zu denen viele junge Leute hinzukamen. Die folgenden Jahre brachten einen steten Aufschwung. Sichtbares Zeichen war die Weihe der Vereinsfahne im Jahr 1913. Doch schon das nächste Jahr brachte einen tiefen Einschnitt in den noch jungen Verein. Der überwiegende Teil der Chormitglieder waren junge Sänger, die bei Ausbruch des ersten Weltkrieges zu den Fahnen gerufen wurden. Alle waren überzeugt, “… bis Weihnachten …” wieder zu Hause zu sein. Es wurden mehr als vier Jahre und viele kehrten nicht mehr, andere nur verstümmelt, wieder heim. Das Protokollbuch über die Kriegsjahre 1914/1918 verzeichnet eine grausame Wirklichkeit. Da steht z.B. 1917: “Der Verein zählt 84 Mitglieder, davon stehen 67 im Feld”. Von diesen sind im gleichen Jahr sechs gefallen und drei vermißt. Die Vereinstätigkeit wurde stark eingeschränkt.

Die Vereinsführung, wenn auch stark dezimiert, konnte den Verein zusammenhalten. So war es möglich, schon 1919, trotz Besatzung und Geldentwertung, die chorische Arbeit wieder aufzunehmen. Die Sänger kamen wieder zur Singstunde. Sie waren froh, dem Krieg und dem Sterben entkommen zu sein. Daran änderten auch die Besatzung und die beginnende Inflation nichts. Das Protokollbuch berichtet getreulich über die fortschreitende Geldentwertung. Wenn der Chor bisher nur bei vereinsinternen Veranstaltungen aufgetreten oder Gast bei Sängerfesten war, nahm er am 17. Mai 1925 in Hördt an einem Wertungssingen der Gruppe Germersheim teil. Bei Bekanntgabe des Ergebnisses waren Chorleiter und Sänger freudig überrascht. Sie hatten auf Anhieb die Note “Gut bis Sehr gut” erreicht. Die folgenden Jahre brachten eine reiche Vereins- und Chortätigkeit. Es bestätigte sich die Erfahrung – je schlechter die Zeiten, je mehr Sänger in den Singstunden. 1927 trat Ludwig Baumann als 1. Vorsitzender zurück. Er wurde von der Generalversammlung einstimmig als Ehrenvorsitzender bestellt. Sein Nachfolger wurde Franz Fischer, der den Verein als zweiter Vorsitzender schon jahrelang führte. 1928 übernahm Adam Mildenberger die Vereinsführung. Die Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre lähmte jedoch entscheidend die Tätigkeit des Vereins. Doch am 21. Mai 1933 beteiligte sich der Chor an einem Preissingen in Neuburg. In der zweiten Landesklasse errang unser Chor den ersten Preis. Nun griff die Staatsgewalt nach den Vereinen.

Auf “Führerbefehl” mußte der 1. Vorsitzende, er war nicht genug “National” gesinnt, sein Amt niederlegen. Die beiden weltlichen Gesangvereine sollten unter ein Kommando kommen. Doch die Frage, wo einhundertdreißig aktive Sänger Platz finden sollten, war nicht zu beantworten. Die vorübergehende Vereinsführung übernahm der erste Bürgermeister Karl Wolf. Er bestimmte jedoch im Januar 1934 den vorherigen Vorsitzenden Adam Mildenberger als Vereinsleiter und Karl Scherrer als stellvertretenden Vereinsleiter. Doch war es üblich, gemeinsame Sitzungen und Versammlungen der beiden Vereine abzuhalten. So wurde auch das 1934 anstehende 25-jährige Stiftungsfest von beiden Vereinen in Arbeitsgemeinschaft begangen. Bezeichnend für diese Zeit war die Vaterländische Kundgebung nach Abschluß der Vorträge. Die Vereinsleitung im Jubiläumsjahr 1934: 1. Vereinsleiter = Adam Mildenberger, 2. Vereinsleiter = Karl Scherrer, Schriftführer = Heinrich Becht, Kassier = Franz Fischer, Stimmwarte = Franz Ehnes, August Krieger, Anton Marz und Josef Bast, Notenwart = Christian Bareihs, Beisitzer = Ferdinand Ziehl und Max Hamburger.

Anfang des Jahres 1936 übernahm Christian Bareihs die Vereinsleitung. Trotz aller Beeinträchtigungen ging die chorische Arbeit weiter. In diesen Jahren, vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges, erreichte der Chor eine ansprechende Leistungshöhe. Dies fand seinen Ausdruck beim Wertungssingen der Gruppe Rülzheim am 21. Mai 1939 in Knittelsheim. Dieses Wertungssingen galt als Ausscheidung für das Chorfest des Gaues “Westmark” in Saarbrücken. Von zwölf Chören qualifizierte sich unser Chor zusammen mit zwei weiteren Chören für dieses Sängertreffen. Doch das, vollen allen Sängern mit großer Spannung erwartete, Bundesfest gab es nicht mehr. Es fiel wie vieles andere dem zweiten Weltkrieg zum Opfer. Im Spätjahr 1939 legte der langjährige Chorleiter Franz Becht nach 27-jähriger Dirigententätigkeit sein Amt wegen Krankheit nieder. Er wurde durch die Versammlung zum Ehrenchorleiter ernannt. An seine Stelle trat R. Pahe als Dirigent. Der sich ausweitende zweite Weltkrieg brachte bald das gesamte Vereinsleben zum Erliegen. Um ein Singen bei Beerdigungen oder Totengedenken zu ermöglichen, wurde mit unserem Bruderverein die Absprache getroffen, zusammen aufzutreten. Dies war nur möglich, weil ältere passive Mitglieder beider Vereine einsprangen. Unser Ehrenchorleiter Franz Becht dirigierte bei diesen Anlässen die kleine Sängerschar. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges schwand auch die letzte Vereinstätigkeit. Nach dem Einmarsch alliierter Truppen wurde der Verein aufgelöst. Es war die dunkelste Zeit unserer nun 90-jährigen Vereinsgeschichte. Die Sänger, soweit nicht gefallen oder vermißt, waren größtenteils in Gefangenschaft. Der Verein mit seinem patriotischen Namen – “Deutsches Lied” – bei allen alliierten Dienststellen verpönt. So dauerte es bis zum Sommer 1947, da machten sich Mitglieder der alten Vereinsführung daran, den Verein wiederzuerwecken. Der bisherige Name durfte auf Beschluß der Militärregierung nicht weiter geführt werden. Einem neuen Antrag vom 3. August 1947 wurde dann entsprochen. Der Name wurde geändert in: “MGV Frohsinn”.

Am 24. August 1947 fand die Neugründungsversammlung statt. Hierbei wurde eine erste Vereinsleitung bestätigt:1. Vorsitzender = Josef Bast I, 2. Vorsitzender = Eugen Gehrlein, Schriftführer = Hugo Becht, Kassier = Otto Krieger I., Beisitzer = Stefan Geiger. Der Ehrenchorleiter Franz Becht erklärte sich erneut bereit, für eine Übergangszeit das Dirigentenamt anzunehmen. Am 28. Dezember 1947 veranstaltete der Verein nach achtjähriger Pause erstmals wieder eine Weihnachtsfeier. Die Folgen des Krieges waren längst noch nicht überwunden. Mehrere Mitglieder befanden sich noch in Gefangenschaft. Doch für Viele, die dieser Feier beiwohnten, war sie der Beginn eines neuen Anfangs. Im Rahmen dieser Feier legte Ehrenchorleiter Franz Becht endgültig den Dirigentenstab aus der Hand. Sein Nachfolger wurde Simon Kurzmeier, welcher, mit einer kurzen Unterbrechung, siebenundzwanzig Jahre Chorleiter des Vereins war. Die kleine Sängerschar wurde rasch größer. Die Kriegsgefangenen kehrten zurück und junge Leute kamen hinzu. So stand beim 40-jährigen Gründungsfest am 31. Juli 1949 ein gefestigter Chor auf der Bühne. Dieses Gründungsfest war nach langer Zeit das erste Waldfest und wurde entsprechend gefeiert. Die Vereinsleitung im Jubeljahr 1949: 1. Vorsitzender = Josef Bast I., 2. Vorsitzender = Eugen Gehrlein, Schriftführer = Max Schwarz, Kassier = Otto Krieger I., Beisitzer = Max Hamburger, Stefan Geiger und Heinrich Becht. Die von den Besatzungsmächten gezogenen Zonengrenzen waren gefallen. So konnten erste Fühlungen zu Sangesfreunden rechts des Rheins aufgenommen werden.

Besonders zu dem Verein aus Liedolsheim. Bei Besuch und Gegenbesuch wurde die Freundschaft begründet und die Anregung zur Bildung eines gemischten Chors kam von dort. Dieser gemischte Chor trat bei der Weihnachtsfeier 1949 zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit und hat die Zeiten, wenn auch mit Unterbrechungen, bis heute überdauert. Mit der wirtschaftlichen Erholung unserer Heimat war ein Aufblühen der Gesangvereine verbunden. Der “MGV Frohsinn” Hördt machte hierbei keine Ausnahme. Bei einem Auftritt in Liedolsheim standen einhundertzwanzig Sängerinnen und Sänger auf der Bühne. Die vereinsinternen Veranstaltungen, Weihnachtsfeiern, Familienabende oder auch Theateraufführungen brachten stets einen vollen Saal.

Die chorische Arbeit erreichte eine beachtliche Höhe. Bei dem ersten Wertungssingen der Gruppe Rülzheim am 25. Juni 1950 in Neupotz erreichte der Chor die Note: “Gut bis Sehr gut”. Im August 1952 gab Heinrich Becht die Vereinsleitung ab. In einer Kampfabstimmung wurde Pius Liebel zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die folgenden Jahre waren eine ständiges Auf und Ab. Einmal eine große Sängerschar – ein Jahr später ein kleines Häuflein Aufrechter. Im Januar 1954 gab es einen Wechsel am Dirigentenpult. Der bisherige Chorleiter Simon Kurzmeier legte aus persönlichen Gründen sein Amt nieder. Die Vereinsleitung konnte Herrn Stich aus Rülzheim als Chorleiter gewinnen. Er dirigierte den Chor jedoch nur kurze Zeit. Im Mai 1955 übernahm Simon Kurzmeier erneut die Chorleitung.

Es folgte eine Beruhigung im Vereinsleben und ein steter Aufbau im Chor. 1957 beteiligte sich der Chor nach längerer Pause an einem Preissingen und erreichte in seiner Klasse den ersten Preis. In diesem Jahr startete die Vereinsleitung eine Werbeaktion mit dem Ziel, Sängerinnen und Sänger zu gewinnen. Hierbei zeichnete sich besonders der damalige Vereinsdiener und spätere erste Vorsitzende Willi Jäger aus. Das 50-jährige Stiftungsfest 1959 warf seine Schatten voraus und sollte groß gefeiert werden. Die Vereinsleitung im Jubiläumsjahr 1959: 1. Vorsitzender = Pius Liebel, 2. Vorsitzender = August Becht, Schriftführer = Ludwig Ehnes, Kassier = Hans Grehl, Notenwart = Max Gehrlein, Beisitzer = Alwin Becht, Josef Fischer II., Friedrich Becht, Friedrich Wissel, Vereinsdiener = Willi Jäger und Vertreterin der Sängerinnen = Monika Ziehl. Dieses 50-jährige Jubiläum war ein Fest, das allen Beteiligten lange in guter Erinnerung blieb. Zum ersten Mal in einem großen Festzelt mit Festbankett Samstags, Sonntags Weckruf, Preissingen, Festzug, Freundschaftssingen und Montags Ausklang.

Männerchor 1969

Stand beim 50-jährigen Stiftungsfest ein zahlenmäßig großer, in sich gefestigter, Chor auf der Bühne, so setzte in den folgenden Jahren ein Abbröckeln der Sängerzahl ein. Die Gesangvereine waren nicht mehr attraktiv für die Jugend. Aber auch mit einer geringeren Sängerzahl ging die Vereins- und Chorarbeit weiter. An verschiedenen Wertungs- und Preissingen nahm der Chor mit wechselndem Erfolg teil. 1963 mußte der Verein sein langjähriges Übungslokal, das Gasthaus “Zur Pfalz” verlassen. Der Verein kam für zwei Jahre im Gasthaus “Zum Pflug” unter. Dann hieß es wieder wandern. Die Gemeindeverwaltung stellte einen Raum im Erdgeschoß des Gemeindehauses zur Verfügung, der bis zum Bau unseres Sängerheims für die Chorproben benutzt wurde. Der Jahresbeginn 1966 brachte dem Verein eine Führungskrise. Der langjährige 1. Vorsitzende Pius Liebel legte die Vereinsführung nieder. Eine reinigende Generalversammlung und eine geheime Wahl bescherten Pius Liebel eine große Mehrheit und bestätigten ihn erneut im Amt. Um der Jugend den Chorgesang näher zu bringen wurde 1967 ein Schülerchor gegründet. Eine große Aufgabe, der sich Chorleiter Simon Kurzmeier und Jugendwart Willi Jäger mit Leidenschaft hingaben. Gleichzeitig liefen die ersten Vorbereitungen für das 60-jährige Jubiläum im Jahr 1969. Als erstes wurde ein Antrag betreffend die Namensänderung an das Amtsgericht Germersheim gestellt. Der Verein sollte seinen alten Namen “Deutsches Lied” wieder erhalten. Diesem Antrag wurde auch stattgegeben. Das 60-jährige Jubiläum war für den Verein und seine Chöre ein wahrer Höhepunkt. Die Vereinsleitung im Jubiläumsjahr: 1. Vorsitzender = Pius Liebel, 2. Vorsitzender = Walter Seidlitz, Schriftführer = Max Frey, Kassier = Ludwig Ehnes, Notenwart = Klaus Deny, Beisitzer = Willi Leingang, August Becht, Hans Grehl, Walter Seelinger und Willi Jäger. Pius Liebel unter dessen Vereinsleitung zwei Stiftungsfeste durchgeführt wurden, stellte sich bei der Generalversammlung 1970 nicht mehr zur Wiederwahl. Nach achtzehnjähriger Tätigkeit als Vereinsvorsitzender wollte er nur noch Sänger sein. Zum ersten Vorsitzenden wurde Willi Jäger gewählt. 

Männerchor mit Kinderchor 1969

 1972 feierte der Kinder- und Jugendchor des Vereins die “Klosterspatzen” sein fünfjähriges Bestehen. Gleichzeitig konnte Chorleiter Simon Kurzmeier für 25 Jahre Chorleitertätigkeit geehrt werden – ein beachtenswertes Jubiläum.

Er dirigierte noch weitere zwei Jahre die Chöre des Vereins, bis er am 1. Januar 1975 aus Gesundheitsgründen den Taktstock niederlegte. Sein Nachfolger Otto Franck übernahm die Chöre erst probeweise. Er gab sich viel Mühe, die Chöre zu einem guten Klangkörper zu entwickeln. Zum Jahresende 1975 trat ein Wechsel in der Vereinsführung ein. Willi Jäger stellte sich nicht mehr einer Wiederwahl. Zum ersten Vorsitzenden wurde Werner Becht gewählt. Als Anerkennung für große Verdienste die sie als langjährige Vorsitzende dem Verein erbracht hatten, wurden Pius Liebel und Willi Jäger zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Gegen Ende des Jahres 1976 mußte Otto Franck wegen seiner angeschlagenen Gesundheit sein Amt als Dirigent niederlegen. Für eine Übergangszeit übernahm Karl Schneider den Dirigentenstab. Im Februar 1977 erreichte den Verein eine Hiobsbotschaft. Das Registergericht Landau annullierte die Vorstandswahl vom 14. Dezember 1975 mit der Begründung: “Der jetzige Vorsitzende Werner Becht wurde nur mit einfacher Mehrheit gewählt, was der Satzung widerspricht”. Das Gericht verfügte gleichzeitig: “Der vorherige Vorsitzende und jetzige Ehrenvorsitzende Willi Jäger übernimmt sofort die Vereinsleitung mit dem Auftrag, binnen sechs Wochen eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen zwecks Neuwahl der Vorstandschaft”. Die Versammlung wählte am 10. März 1977 Hans Grehl zum ersten Vorsitzenden. Gleichzeitig übernahm Rudi Himpel die Leitung des Chors. Im Dezember 1977 war Willi Jäger wieder genötigt, die Vereinsleitung zu übernehmen. Der Chor beteiligte sich in der Folgezeit mit wechselndem Erfolg an mehreren Wertungs- und Preissingen. Auch stand das 70-jährige Stiftungsfest vor der Tür und wurde vom 9. bis 11. Juni 1979 durchgeführt. Die Vereinsleitung im Jubiläumsjahr: 1. Vorsitzender = Willi Jäger, 2. Vorsitzende = Ursula Böhm, Schriftführerin = Christa Hoffmann, Kassier = Walter Seelinger, Notenwart = Klaus Deny, Beisitzer = Otto Wissel, Ludwig Ehnes und Walter Bast. Ende 1979 gab unser langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender Willi Jäger endgültig die Vereinsführung ab. Die Versammlung wählte Bruno Schuhmann zum ersten Vorsitzenden. Gleichzeitig gab es einen Wechsel am Dirigentenpult. Eugen Dobler konnte als Chorleiter gewonnen werden. Für das kommende Jahr 1980 sollte auf den Verein – ja auf das ganze Dorf – eine große Aufgabe zukommen. 

Gemischter Chor 1980

 Die 1200-Jahr-Feier der Ortsgemeinde Hördt stand an und verlangte von allen Mitgliedern rastlosen Einsatz. Der Verein übernahm zusammen mit dem Handharmonikaclub die Festzeltbewirtschaftung. Es wurde ein denkwürdiges Fest, das allen Beteiligten in guter und nachhaltiger Erinnerung geblieben ist. Doch alle Feste gehen einmal vorbei und der Sängeralltag kommt wieder zu seinem Recht mit seinen kleinen Freuden, seinen Sorgen, dem ganzen Auf und Ab. Der einige Zeit brach liegende Kinderchor des Vereins konnte Anfang 1982 zu neuem Leben erweckt werden. Die Chorleitung übernahm Klaus Eichenlaub. Während der Jahre des Aufbaus trat der Kinderchor bei örtlichen und regionalen Veranstaltungen, in Krankenhäusern und Altenheimen auf. 1985 war die Chorarbeit soweit gediehen, daß man die Teilnahme an einem Chorwettbewerb ins Auge fassen konnte. Die Arbeit wurde mit dem zweiten Platz beim Kinderchorwettbewerb des ZDF belohnt. Im folgenden Jahr 1986 durften die “Klosterspatzen” beim internationalen Kinderchorwettbewerb in Neerpelt/Belgien einen 1. Preis “cum laude” und beim ZDF-Kinderchorwettbewerb ebenfalls den 1. Preis entgegennehmen. In der Folgezeit hat der Chor eine Reihe von Schallplatten besungen und ist vielfach beim Rundfunk und im Fernsehen aufgetreten. Zu erwähnen sei noch die Mitwirkung bei der Verabschiedung des langjährigen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz Herrn Dr. Bernhard Vogel, im Dezember 1988, sowie die Teilnahme am Leistungssingen des pfälzischen Sängerbundes am 5. März 1989 in Neustadt/Weinstraße. Hier erreichten die “Klosterspatzen” die höchste Punktzahl des Tages. Erklärtes Ziel war es von Anfang an, Chöre im In- und Ausland zu Begegnungen nach Hördt einzuladen. Neben deutschen Chören weilten Chöre aus Island, Belgien, Österreich und den USA bei den “Klosterspatzen”. Es wurden jedoch nicht nur die Begegnungen in Hördt gepflegt. Die “Spatzen” flogen auch gern aus, wie z.B. die 14-tägige Tournee durch die USA bewies. Auch die Betreuer der “Klosterspatzen” – allen voran Roswitha und Bruno Schuhmann – und die Eltern der Kinder wurden durch die vielen Aktivitäten des Chors ständig in Atem gehalten. Sie haben zusammen mit dem Chorleiter Dr. Klaus Eichenlaub viel Zeit, Arbeit und Nervenkraft geopfert, um den Verein und besonders den Kinderchor aufzubauen und zu erhalten.

1984 war der Verein 75 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum sollte würdig gefeiert werden. Die Vereinsführung im Jubiläumsjahr: 1. Vorsitzender = Bruno Schuhmann, 2. Vorsitzender = Otto Wissel, Schriftführerin = Birgit Ehnes, Kassier = Walter Seelinger, Beisitzer = Ludwig Ehnes, Willi Freed, Wolfgang Huber, Ottmar Kost und Hermann Liebel. Wenn bisher alle großen Jubiläen in Festzelten veranstaltet wurden, so ging der Verein dieses Mal einen anderen Weg. Um den bei Veranstaltungen im Festzelt durch den Ausschank und das ständige Kommen und Gehen entstehenden Lärm auszuschalten, wurden alle Veranstaltungen in die Turnhalle verlegt. Dies brachte auch Probleme mit sich. Verschiedene Veranstaltungen waren völlig überfüllt und viele Festbesucher fanden in der Halle keinen Platz. Sie mußten außerhalb untergebracht werden. Die Vereinsleitung bekam manches kritische Wort zu hören. Trotzdem war auch das 75-jährige Jubiläum ein voller Erfolg. Bei allen Veranstaltungen, Festbankett, Volkslieder-, Freundschafts-, Konzert-, Wander- und Trinkliedersingen, sowie beim Heimatabend war in der Halle eine erfreuliche Ruhe. Durch die aufmerksamen Zuhörer angeregt, bemühten sich alle Chöre, ihr Bestes zu geben. Die Festtage waren eine echte Werbung für den Chorgesang. Hierfür erhielt die Vereinsleitung viel Lob. Als 1986, 6 Jahre nach der 1200-Jahr-Feier, die örtlichen Vereine aufgerufen wurden, sich am “Klosterfest” zu beteiligen, war das “Deutsche Lied” sofort bereit mitzuwirken. Mit viel Aufwand wurde im Anwesen Böhm die Bauernschänke “Pellheimer Hof” errichtet. Das “Klosterfest” brachte viel Arbeit, aber auch einen schönen Erfolg.

Ein lang gehegter Wunsch begann sich in diesem Jahr zu erfüllen: Der Baubeginn des Vereinsheims. Im November wurde auf Anregung von Dr. Klaus Eichenlaub ein Jugendchor ins Leben gerufen. Der Jugendchor sollte Kinder und Jugendliche die im Kinderchor nicht mehr singen konnten oder wollten, auffangen und dem Chorgesang erhalten. Die Chorleitung übernahm Markus Eichenlaub. Beim Leistungssingen im Jahr 1987 in Lingenfeld beteiligte sich der Verein mit allen drei Chören, die ausnahmslos sehr gute Kritiken erhielten. Auch 1988 beim Konzert der Maupai-Loy-Gruppe war der Verein mit allen Chören vertreten. An Pfingsten 1988 besuchte der Gemischte Chor erstmals einen Chor außerhalb der Bundesgrenzen. Mit von der Partie war auch der Jugendchor und ein Bläserensemble. Bei mehreren Auftritten in Konzerten und zur Messe in der Kirche wurden mit unseren Gastgebern vom “Katharinenkoor Starbroek” erste Freundschaftsbande geknüpft. Im Jahr 1989 feierte der MGV “Deutsches Lied” Hördt sein 80-jähriges Vereinsbestehen. Das Jubiläum wurde in großem Rahmen begangen und viele Chöre aus der nähren und weiteren Umgebung haben zum Gelingen der Festtage beigetragen. Nachdem im Jahr 1992 der Kinderchor “Klosterspatzen” sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hatte, kam das Aus im folgenden Jahr für Alle überraschend. Alexander Dietrich, der bereits einige Zeit den Jugendchor dirigierte, konnte 1990 als Dirigent des Erwachsenenchors gewonnen werden. Er hatte ein schweres Amt übernommen, war doch der Chor sowohl qualitativ als auch quantitativ in einem desolaten Zustand. Ein kontinuierlicher Aufbau in den nächsten Jahren war notwendig. Erste Resultate waren bei der feierlichen Einweihung des neuen Sängerheims, am 26. Juni 1994, zu hören.

Der erste Vorsitzende Dieter Weiler konnte voller Stolz den zahlreichen Gästen das neue Sängerheim vorstellen. Dass sich die behutsame und stetige Aufbauarbeit von Chorleiter Alexander Dietrich auf Dauer doch ausgezahlt hat, wurde eindrucksvoll bei einem nach vielen Jahren erstmals wieder stattfindenden Konzert am 28. Juni 1997 bewiesen. Dem zahlreichen Publikum präsentierte sich ein Chor, der sich zu einem beachtlichen Klangkörper entwickelt hatte. Neben deutschen Volksliedern, wurde auch moderne Chorliteratur, sowohl in deutsch, als auch in englisch intoniert. Neue Sängerinnen und Sänger kamen hinzu. Bei der Aufführung der Schubert-Messe in G-Dur, am 24. Oktober 1998 in der Pfarrkirche Hördt, verfügte der Chor bereits wieder über eine stattliche Mitgliederzahl. Mit stehenden Ovationen bedachten die Zuhörer den Chor beim anschließenden Gospelsingen. Im November 1998 besuchte der Chor die Partnergemeinde Stabroek in Belgien, um am großen Abschlusskonzert zu den 750-Jahr-Feierlichkeiten des Stadtteils Hoevenen und am feierlichen Schlussgottesdienst teilzunehmen.

Die letzten Auftritte des Chors waren im Alten- und Pflegeheim in Rülzheim und bei der Einweihung der VR-Bankfiliale, am 29. August 1999 in Hördt. Grundlage für die innovative Chorarbeit ist, neben der kompetenten und motivierten Chorleitung, auch die regelmäßige Stimmbildung. Bemerkenswert sind die zum Teil erheblichen Anfahrtswege einiger Mitglieder, die, aus Böhl-Iggelheim, Hanhofen, Philippsburg, Herxheim, Germersheim und natürlich auch aus den umliegenden Gemeinden, regelmäßig zu den Singstunden kommen.

Als Fazit ist festzustellen, dass sich der MGV “Deutsches Lied” Hördt offensichtlich auf dem richtigen Weg befindet. Damit sich sowohl die etwas reifere, als auch die jugendliche Sängergeneration im Verein wohl fühlt, versucht man klassische und moderne Chorliteratur gleichberechtigt nebeneinander in das Repertoire aufzunehmen.

Am 30. Oktober 1999 begeht der MGV “Deutsches Lied” Hördt sein 90-jähriges Vereinsjubiläum mit einem Jubiläumskonzert in der Schulturnhalle, zu dem alle Freunde der Chormusik herzlich eingeladen sind.

Der MGV “Deutsches Lied” Hördt wurde 1909 gegründet und feierte am 30. Oktober 1999 sein 90-jähriges Bestehen in Form eines Benefizkonzerts zugunsten des Nothilfevereins TERRA MâE e.V. in der Schulturnhalle Hördt. Der Verein TERRA MâE unterstützt die Naturvölker von Angola, in der Provinz Kuroca. Die, in dem Gebiet angelegten Brunnen, wurden durch den Bürgerkrieg zum größten Teil zerstört. Diese Brunnen sollen wieder instand gesetzt werden.

Unter dem Motto “90 Jahre MGV Deutsches Lied im Wandel der Zeit”, zeichnete der Chor seinen Weg vom traditionellen Volks- und Trinkliedergesangverein bis hin zum vielseitigen Chor, mit einem breit gefächelten Repertoire. Bei der Familienfeier im Advent debütierten die Kinder der Chormitglieder als potentielle Nachwuchssänger.

Als Abschluss des Jubiläumsjahres war die Singgemeinschaft beim großen Millenniumskonzert aller musischen Vereine, in Zusammenarbeit mit der Orts- und Kulturgemeinde Hördt, am 2. Januar 2000 zu hören.

Das Jahr 2001 stand ganz im Zeichen der  Konzertreise nach Polen. Vom 1. – 9. Oktober 2001 fand die Reise mit den Stationen Krakau, Gorzow (Landsberg) und Georgenberg statt. Neben der Schubert – Messe in G-Dur bot der Chor auch geistliche Chorwerke von John Rutter, sowie, in einem Special Stücke aus der Afro-amerikanischen  Musikwelt, Volkslieder, Musicals und Evergreens dar. Besonders in Gorzow hat der Verein auf dieser Reise Freunde gefunden was der Gegenbesuch des Chores aus Gorzow im nächsten Jahr zeigte.  Dieser Besuch vom 01. – 04. Mai 2002 entwickelte sich zu einem wahren Festival der guten Stimmung und Freundschaft. Während der erste Abend noch gemütlich innerhalb der Gastfamilien vollbracht wurde, steigerte sich die Ereignisse über eine Weinprobe, ein Grillabend unter Mitwirkung des Handharmonika-Club Hördt bis hin zum gemeinsamen Konzert beider Chöre sowie der örtlichen Gesangsvereine in der Kirche St. Georg in Hördt. Im Anschluss gab es dort einen tränenreicher Abschied und das Versprechen dies zu wiederholen.

Im Jahr 2003 gab es einen großen personellen Umbruch in der  Führung des Vereins. Als neuer Vorstand wurde Peter Apian-Bennewitz gewählt, als Kassiererin Daniela Kröper beide ehemalige „Klosterspatzen“. Der eingeschlagene Weg allerdings wird weiter gegangen und auch die bisherige Führung des Vereins sitzt noch mit im Boot der Vereinsführung. In diesem Jahr war der musikalische Höhepunkt am 18. Oktober mit einem Konzert in der Turnhalle Hördt, welches der gemischte Chor mit seinem mittlerweile bekannt abwechslungsreichen Programm gestaltete. Daneben beteiligte sich der Verein immer wieder am kulturellen Leben der Ortsgemeinde Hördt mit einigen Auftritten bei verschieden Feiern und Festlichkeiten sowie der Gestaltung der Kerwe , die nicht zuletzt durch das Engagement des Vereins wieder zu einem echten und erfolgreichen Höhepunkt des Dorflebens wurde. Ein ganz anderer, weiterer Höhepunkt des Jahres war die Fahrt in die Bundeshauptstadt Berlin vom 22. – 26. Oktober.

Die 1225 Jahrfeier der Ortsgemeinde Hördt warf schon früh ihre Schatten auch innerhalb des Vereins der im Jubiläumsjahr 2005 sein ganzes Spektrum als Mitglied der Kulturgemeinde Hördt darstellte. Sei es bei dem gemeinschaftlichen Eröffnungskonzert der 1225-Jahr-Feier aller musischer Vereine aus Hördt am 13. Februar oder der Mitgestaltung des Festwochenendes vom 07. – 11. Juni. Natürlich nahm der Verein auch weiter Verpflichtungen wie z. B. die Ausgestaltung eines Festkonzertes anlässlich des 125 jährigen Jubiläums der Feuerwehr Hördt wahr und vernachlässigte nicht seine festen Termine wie die Familienfeier im Advent die schon seit Jahrzehnten immer am ersten Samstag im Dezember stattfindet.

2006 nahm sich der gemischte Chor des Vereins eine ganz besondere Herausforderung vor. Er studierte mit sehr viel Engagement seiner Sängerinnen und Sänger sowie seines Dirigenten Alexander Dietrich die Gospelmesse von Robert Ray ein. Diese forderte das ganze Können aller Chormitglieder und wurde letztendlich mit grossem Erfolg und ein wenig Stolz am 20. Mai in der Christuskirche in Rülzheim und am 04. Juni in der Pfarrkirche St. Georg dem Publikum mit instrumentaler Unterstützung präsentiert. Im Herbst dieses Jahres machte der Verein einen Ausflug nach Bochum vom 14. – 16. Oktober und besuchte dort unter anderem das Musical „Starlight Express“ welches sich mit einem Lied auch im Repertoire des Chores wieder findet.

Im anschließenden Jahr studierte der Chor ein neues Programm ein welches er  bei seinem Konzert „Gesang für die Sinne“ am 11. November 2007 dem Publikum vorstellte.

Im aktuellen Jahr ließ sich die Vereinsführung im Hinblick auf das kommende Jahr und das 100jährige Bestehen des Vereins über das Jubiläumsjahr hinweg bestätigen. Die Generalversammlung vom 22. Januar 2008 folgte dem Vorschlag der Vorstandschaft und beschloss die Amtszeit des Vorstandes um ein Jahr bis 2009 zu verlängern. Musikalisch wird das Jahr 2008 als Vorbereitung- und Probezeit für das Jubiläumsjahr 2009 genutzt, was nicht heißt, dass der Verein immer zur gesanglichen Bereicherung verschiedenster Anlässe wie z. B. der Primizfeier vom ehemaligen Kinderchormitglied Marco Gabriel am 08. Juni 2008 bereit ist. Das Jahr 2009 stand für den Verein ganz im Zeichen seines hundertjährigen Bestehens. Dies nahm der Verein zum Anlass mit einem Festwochenende am 4. und 5. Juli 2009 zu feiern. Auf einem feierlichen Festkonzert zeigte sich der gemischte Chor des Vereins als vielseitiger Interpret verschiedener Musikrichtungen und zeigte sein Repertoire aus den letzten Jahren. Ebenso wurde dieser feierliche Anlass mit einem ökumenischen Festgottesdienst und einem Freundschaftssingen von befreundeten Chören aus der Umgebung begangen. Auch die musischen Vereine aus Hördt brachten ihre musikalischen Glückwünsche an diesem Wochenende dem Verein dar. Zudem durfte sich der Verein und sein gemischter Chor über die Verleihung der Zelterplakette für besondere Verdienste innerhalb des Chorgesangs durch den Bundespräsidenten Horst Köhler freuen. Die Überreichung fand am 21. Juni 2009 bei einer Feierstunde in Simmern durch die Kultusministerin des Landes Rheinland-Pfalz  Frau Doris Ahnen statt. Das Jahr 2010 steht ganz im Zeichen des Klosterfestes in Hördt. Der Verein wird zum erstenmal in Zusammenarbeit mit dem Bogensportverein „Bärlauchjäger“ seine Herimanuschänke über die Feiertage öffnen. Bei der Hördter Kerwe  2010 wird der Verein mit seinem Team das Kerwezelt und die Getränkestände bewirtschaften und alle Besucher aus nah und fern willkommen heißen.